Ein einzigartiges, breit gefächertes Fachprogramm, hervorragende Referenten, praktische methodische Ratschläge und ein erhebendes Gemeinschaftserlebnis!
Das war die diesjährige Volkstanzwoche, zu der das vor drei Jahren eingeführte neue Konzept, das System der Tagesseminare, noch mehr Tanzbegeisterte anzog.
.
Die Atmosphäre des Camps wurde geprägt von der Leidenschaft und dem Wissensdurst der Tänzer, die die deutsche Volkstanzkultur im Alltag authentisch leben und lehren, und die von unseren hervorragenden Referenten gerne bedient wurden.
Mit mehr als 50 Tanzbegeisterten aus 30 Orten verbrachten wir vom 11. bis 16. August eine äußerst ereignisreiche Woche im Iglauer Park in Waschludt.
Bei der Zusammenstellung des Programms für die Tanzwoche legten wir unter Berücksichtigung des neuen Konzepts und in Erweiterung der Themen des letzten Jahres die Themen für die Vorträge und praktischen Übungen fest, um Antworten auf die seitdem aufgetauchten neuen Fragen zu finden. Entsprechend luden wir gut vorbereitete, in den Themen versierte und engagierte Referenten und Referentinnen ein.
Zu unseren wichtigsten fachlichen Zielen gehörte es, den Leitern von Tanzgruppen und aktiven Tänzern Hilfe bei der Organisation ihres täglichen Tanzlebens zu bieten und neben dem Wissensstoff (was?) auch das wie (?), also der Methodik der Umsetzung, großen Wert beizumessen.
Es war wichtig, dass alle Teilnehmer – unabhängig von ihrer beruflichen Erfahrung – von der Teilnahme am Camp profitieren und etwas Nützliches mit nach Hause nehmen konnten.
Nach unserer Ankunft lernten wir unter der Leitung von Antal Perlaki die Ortschaft Waschludt kennen. Anhand der Geschichte der Gemeinde stellte er das Schicksal und den Alltag der hier lebenden deutschen Minderheit vor.
Am Nachmittag wurde die Erkundung der Region fortgesetzt, diesmal jedoch durch Tanz. László Nagy (Maratz, Tanzlehrer, Choreograf, ehemaliger Leiter des Maratzer Tanzensembles 1987-2023, Träger des Ferenc Fülöp-Preises) und Ildikó Winhardt (Wudersch, Volkstanzlehrerin, Lehrerin für deutsches Nationalitätenfach, seit 1990 Kindertanzgruppenleiterin, Laiensammlerin und Forscherin) machten die Teilnehmer mit den Tänzen von Totwaschon bekannt, und begleitet von Barnabás Matuszek, Ádám Weisz auf dem Akkordeon, brachten ihnen Tänze aus Herend bei.
Eine Besonderheit der diesjährigen Volkstanzwoche war, dass das Welttreffen des Weltdachverband der Donauschwaben auf diesen Termin fiel und die Teilnehmer während der Woche auch an den Programmen der Tanzwoche teilnahmen.
In diesem Rahmen nahmen wir am ersten Tag an einem gemeinsamen Kennenlernabend mit den Teilnehmern seitens des Weltdachverbandes und den lokalen Traditionsgruppen teil.
Am zweiten Tag stand die aktuelle Situation der Tanzforschung im Mittelpunkt. Zu diesem Thema baten wir Alexandra Korom (Segedin, Tanzforscherin – Doktorandin – Tanzanthropologin) um Unterstützung, die anhand des Erbes von Horak und Petermann die deutsche Volkstanzforschung in Ungarn veranschaulichte.
Wir alle beschäftigen uns ständig mit der Frage, was in unserer Volkskultur als authentisch und glaubwürdig angesehen werden kann. Wir suchen nach einer Antwort darauf, wie wir die Werte, die uns unsere Vorfahren hinterlassen haben, auch in Zukunft in angemessener Weise an die nachfolgenden Generationen weitergeben können. Eine Antwort darauf versuchte uns Dr. Anna Janku PhD., Präsidentin der Ungarischen Gesellschaft für Ethnokoreologie, unabhängige Forscherin, in ihrem Vortrag zu geben.
Das Nachmittagsprogramm war praktisch ausgerichtet, und die Teilnehmer konnten unter der Leitung von Ildikó Winhardt die verschiedenen Tanzarten, die in unseren Tänzen vorkommen, und ihre Stilmerkmale kennenlernen.
Wir möchten nicht, dass die vor Jahrzehnten entstandenen Werke und Choreografien, die auf den deutschen Tanztraditionen in Ungarn basieren, in Vergessenheit geraten. Deshalb kamen Katinka Árendás und Dorottya Bach aus Tarian zu uns und zeigten uns, wie sie die Choreografie „Tarianer Mädchentanz” von Vajk Mária bearbeitet hatten, das sie anhand einer vom Demokratischen Verband der Deutschen in Ungarn herausgegebenen Tanzbeschreibung rekonstruiert hatten.
Tanz und Gesang sind untrennbar miteinander verbunden. Mónika Fazekas-Gombár (Wetschesch, Stefan-Kerner-Preisträgerin, Kóta-Preisträgerin, Vizepräsidentin der Chorsektion des Landesrats) hielt einen Vortrag über ungarndeutsche Volkslieder und deren Niederschrift und zeigte bzw. brachte den Teilnehmern einige der von ihr niedergeschriebenen Lieder bei. Im Abendprogramm konnten die Teilnehmer unter ihrer Leitung einen Einblick in die Tänze von Wetschesch gewinnen. Die Tänze wurden von László Kreisz, dem Vorstiztenden des Landesrats, auf dem Akkordeon begleitet.
Die Vorträge und Übungen zum Thema Kindertänze und Nachwuchsförderung stoßen bei den Teilnehmern immer auf großes Interesse. Während der Veranstaltungen konnten wir die Sammlungen der einzelnen Ortschaften kennenlernen, ihre Tänze erlernen, uns bewährte Methoden für die Nachwuchsförderung aneignen sowie Tanzfolgen und Choreografien lernen.
Die Themenleiter und Referenten des Tages waren: Andrea Iván (Kinderlieder aus Hartau) und Ildikó Winhardt (Kinderlieder aus Inselneudorf). Unter der Leitung von Andrea Iván wurde außerdem die choreografierte Tanzfolge „Kinderlieder aus Nadasch” von Frau Donovald aufbereitet. Als gute Praxis für die Ausbildung des Nachwuchses stellten Katinka Izing-Árendás und Dorottya Váradi-Bach (Tarian) ihr Projekt „Familientanzhaus” vor.
Am Abend fand ein Tanzhaus statt, der vom Pergő-Rozmaring-Tanzensemble aus Waschludt unter der Leitung von Ákos Petres und Andrea Petres–Reiter organisiert wurde.
Am Donnerstag durften wir den österreichischen Volkstanzlehrer, Volkstanzforscher, Volkstanzsammler Ludwig Berghold und seinen Assistenten Karoline Horak in unseren Kreisen begrüßen. Ihre Namen sind uns unter anderem als Autoren der Publikationen „Unsere Wurzeln”, „Unsere kleinen Wurzeln” und zahlreicher weiterer Veröffentlichungen bekannt. Das Thema des Tanzworkshops lautete „Tänze entlang der Donau”, in dessen Rahmen wir die Ursprünge zahlreicher Tänze kennenlernen und Ideen für die Gestaltung guter Tanzbewegungen sammeln konnten.
Als Höhepunkt des Tages bzw. der Woche können wir die Teilnahme, zusammen mit den Teilnehmern des Welttreffens, an der traditionellen schwäbischen Hochzeit in Polan, betrachten. Es bleibt ein unvergessliches Erlebnis! Vielen Dank für die Organisation an die Mitwirkenden aus Polan, insbesondere an Anita Nardai.
Das Thema des Freitags war die Erstellung von Choreografien und die Arbeit auf der Bühne. Die Leiterin war Julianna Szabó (Leiterin der Tanzsektion des Landesrats, Tanzgruppenleiterin, Choreografin).
Für die Inszenierung ungarndeutscher Volkstänze und die Analyse der Inszenierungsmethode behandelten wir die Werke von Nikolaus Manninger (von der Auswahl des Ausgangsmaterials bis zur Inszenierung). Zu Gast war Zsuzsa Manninger, Vorsitzende des Kuratoriums der Nikolaus Manninger Tanzkunststiftung, die uns mit zahlreichen zusätzlichen Informationen und Geschichten über die Entstehungsgeschichte versorgte.
Die Verbindung zwischen Tanz und Musik darf im Programm unserer Fachtagung ebenfalls nicht fehlen. Dazu baten wir János Hahn (Büroleiter des Landesrats, ehemaliger Vizevorsitzender der Blasmusiksektion, Kapellenleiter, Dirigent) um Hilfe, der anhand praktischer Beispiele die Stilmerkmale und Eigenschaften der verschiedenen Tanzmusikarten (z. B. Marsch, Polka, Mazurka, Ländler, Walzer) vorstellte.
Wir blicken auf eine äußerst ereignisreiche Woche zurück! Gemeinsam entwickelten wir uns weiter und lernten die Tanzkultur unserer Vorfahren noch besser kennen. Aus den Erfahrungen dieser Woche ergeben sich gleichzeitig unsere nächsten Themen, mit denen wir uns noch eingehender befassen sollten und die unsere kurz- und langfristigen Aufgaben und unseren Entwicklungsweg vorgeben.
Der Landesrat ist der Überzeugung, dass Qualität verpflichtet, was die Tanzsektion ernst genommen hat, und so konnte auch in diesem Jahr wieder die Volkstanzwoche mit ihrer großartigen Atmosphäre und ihrem breit gefächerten fachlichen Angebot auf mehreren Ebenen und in verschiedenen Bereichen stattfinden. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an unsere Referenten und die Organisatoren des Camps!
Die Fortbildungen wurden durch das Bundesministeriums des Innern (BMI), die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), die ungarische Regierung und die Waschludter Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung gefördert.
Galerie




































