„Lebe achtsam, lebe den Moment! Nur das zählt, was gerade passiert.“ – so lauten die Grundsätze der aktuellen Trends. Aber fühlen wir uns wirklich erfüllt, wenn wir immer nur in der Gegenwart leben und unsere Aufmerksamkeit nur auf das „Jetzt“ richten? Zeichnet sich in unserer Persönlichkeit jener Rahmen ab, der uns Halt gibt und uns in der verworrenen Welt der Gegenwart die Richtung weist? Wo sind jene Ankerpunkte, jene Werte, die uns eine stabile Grundlage bieten?
All dies liegt in unseren Wurzeln, in unserer Vergangenheit verborgen. In den Strömungen der Gegenwart ist es wichtig, dass wir nicht vergessen, woher wir kommen und was wir mitnehmen, was wir an unsere Kinder weitergeben.
Unsere familiären genetischen Muster und Gewohnheiten prägen sich seit unserer Kindheit tief in unsere Instinkte ein und formen unsere Persönlichkeit grundlegend, sie bestimmen unsere Identität. Das generationsübergreifende, kulturelle Gerüst unserer Persönlichkeit können und dürfen wir nicht umgestalten. Es muss ein Nachhall unserer deutschen Traditionen und des Wissens unserer Vorfahren sein; wir dürfen nicht zulassen, dass die Wellen moderner Strömungen jene Werte auslöschen, die in uns wohnen. Es ist unsere Aufgabe, die Vergangenheit zu ehren und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere volkstümlichen Bräuche in der Gegenwart selbstbewusst und authentisch leben.
Der Landesrat vereint in diesem Jahr bereits zum dreißigsten Mal die ungarndeutschen Kulturgemeinschaften im Land und bietet ihnen mit seinen Veranstaltungen eine solide Grundlage, damit sie ihre Traditionen pflegen können. Das Treffen der Musiker, die auf traditionellen Instrumenten spielen, ist eine dieser Veranstaltungen.
Die Initiatoren Johann Fódi und Josef Báling erkannten vor 23 Jahren, dass es notwendig ist, die Musiker zusammenzubringen, die noch auf traditionellen Instrumenten spielen können, und dass es wichtig ist, dass sie sich persönlich treffen, denn nur so lassen sich die einzigartigen Melodien und Spielweisen, die noch nicht in Noten festgehalten sind und von Vater zu Sohn weitergegeben werden, am Leben erhalten.
Das instinktive schwäbische Musikwissen unserer Ältesten erklang auch in diesem Jahr wieder als lebendiges Erbe beim Treffen in Salkau. Diesen unersetzlichen Wert zeigen sie jedes Mal auf der Bühne und vertrauen darauf, dass auch die Jugendlichen Lust bekommen, die alten Instrumente zum Klingen zu bringen.
Es ist wichtig, dass auch die Jugendlichen einen Eindruck davon bekommen, was für eine Besonderheit und ein großes Erlebnis es ist, auf diesen alten Instrumenten zu spielen. Es freut uns, dass Balázs Dani und Anna Pappert wiederkehrende junge Teilnehmer des Treffens sind und sich ihre Fähigkeiten von Jahr zu Jahr spürbar verbessern.
Auch László Kreisz, der Vorsitzende des Landesrates, hob in seiner Eröffnungsrede hervor, dass es ein neuer Trend sei, dass die Knopfharmonika von den Musikern wiederentdeckt wurde und sich immer mehr Menschen dafür interessieren, sodass Hoffnung auf den Fortbestand dieser alten Instrumente und der authentischen Melodienwelt besteht.
Getreu der Tradition begann das Treffen mit einer deutschsprachigen Heiligen Messe in der St.-Joseph-Kirche, die Pfarrer Zsolt Rosner zelebrierte. Seine Worte bekräftigten die Mission, der sich der Landesrat seit dreißig Jahren verschrieben hat. Die Heilige Messe wurde vom Chor aus Bonnhard unter der Leitung von Éva Herger begleitet, dem wir an dieser Stelle herzlich für seinen Einsatz danken.
Das Treffen wurde von József Pappert, dem Vorsitzenden der deutschen Minderheiten-Selbstverwaltung von Salkau, und László Kreisz, dem Vorsitzenden des Landesrats, mit feierlichen Ansprachen eröffnet.
Als erster war der Deutsche Nationalitätenchor von Salkau unter der Leitung von Frau Katalin Orbán und begleitet von Gábor Pappert auf der Ziehharmonika zu hören.
Danach folgten feierliche Momente, denn die Versammelten begrüßten die 93-jährige Elisabeth Koller, Tante Lisi. László Kreisz hob besonders hervor, dass sie stolze Trägerin der höchsten Auszeichnung der Ungarndeutschen, der „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum“, ist, ebenso wie Stefan Czehmann, Onkel Stefi, der sich ebenfalls in diesem Jahr dieser hohen Auszeichnung erfreuen durfte und im Publikum anwesend war.
Anschließend konnten wir das einzigartige, nur für diese Region typische Akkordeonspiel von Bence Haibl und József Szettele aus Hajosch hören, gefolgt von einer Darbietung auf der Knopfharmonika durch sechs Musiker. Die Lieder wurden von Dániel Kovács aus Saar, Vilmos Steinmann aus Úny, János Knipf aus Waschkut, József Szettele aus Hajosch, József Mehringer aus Raab und János Kéri aus Harast vorgetragen.
Im nächsten Programmpunkt wurde sowohl das Instrument als auch die Altersgruppe gewechselt. Balázs Dani aus Bonnhard spielte auf der steirischen Zither; unter der Anleitung seines Musiklehrers Tibor Németh aus Großmanok macht er schöne Fortschritte beim Erlernen der Feinheiten des Instruments.
Es war ein hoffnungsvolles Gefühl, bei diesem Treffen die 93-jährige Lisi und die Teenager Anna Pappert und Dani Balázs gemeinsam auf der Bühne zu sehen. Die Leidenschaft der Jugendlichen für unser Volksliedgut und unsere Instrumente kann ein Garant für den Fortbestand unserer ungarndeutschen Kultur sein.
Anschließend konnten wir den Auftritt des Ehepaars Mehringer aus Raab miterleben, danach spielten Dániel Kovács und József Mehringer auf der Mundharmonika, gefolgt vom Frauenchor aus Lantschuk, begleitet von Gábor Pappert auf dem Akkordeon. Danach folgte erneut ein gemeinsamer Auftritt von sieben Akkordeonspielern, woraufhin die Musiker ihr Können auch einzeln in Solodarbietungen unter Beweis stellten.
Besonders erwähnenswert ist die Darbietung des Pappert-Akkordeon-Duos, Gábor und Anna. Wenn man das Zusammenspiel von Vater und Tochter Jahr für Jahr hört, kann man sicher sein, dass es sich um Musiker handelt, die „auf einer Wellenlänge“ sind, und dass Anna das alte schwäbische Musikwissen in ihren Adern trägt. Durch sie lebt die Tradition der schwäbischen Volksmusik sowohl in den Melodien als auch im instrumentalen Können sicher weiter.
Die Veranstaltung endete mit einem fröhlichen Gesang unter Mitwirkung aller auftretenden Musiker und Sänger.
Wir vertrauen darauf, dass wir noch viele Jahre lang gemeinsam mit den Künstlern des Treffens feiern können und dass möglichst viele der Jüngeren Lust bekommen, sich ihnen anzuschließen und ihr altes Instrumentenwissen zu erlernen, denn die Achtung unserer Vergangenheit und unserer Vorfahren sowie das Erleben und Bewahren unserer Kultur sind unsere gemeinsame Aufgabe.
Die Veranstaltung wurde gefördert durch das Bundesministeriums des Innern (BMI), die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), die ungarische Regierung und die Salkauer Deutschen Nationalselbstverwaltung gefördert.
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