Begegnung der Generationen auf der Bühne in Waschludt

2025.11.27. | Kapellen Nachrichten, Landesrat Nachrichten

Musik, Rhythmus und Liedtexte bilden, auch wenn sie nur mündlich überliefert werden, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

In den ungarndeutschen Musikerfamilien hat ein vielversprechender, zukunftsweisender Prozess begonnen, den wir am 22. November beim Landesrat-Familienmusik – XVI. Landestreffen der Familienmusiker in Waschludt beobachten konnten.

Die jungen Menschen lernen die Melodien, die aus Freude und nach Gehör von den  älteren Musikern übernommenen Melodien, gerne und heben sie durch ihr Musikschulunterrichts auf ein neues Niveau. Die Familien sammeln die lokalen Melodien mit geschultem Ohr und bewusst bzw. notieren sie für die Nachwelt. Die musikalischen Kenntnisse der Jugendlichen und das von ihren Eltern instinktiv erworbene Volksmusikerbe bringen die Traditionspflege auf ein qualitativ hochwertiges Niveau und tragen dazu bei, dass das musikalische Kulturgut in authentischer und schriftlicher Form weitergegeben wird. Auch beim diesjährigen Treffen konnten wir Zeugen dieser edlen Initiative werden.

Das Musizieren innerhalb der Familie verbindet die älteren Familienmitglieder auf besondere Weise mit den jungen. Es war interessant zu erleben, wie sich zwei Generationen auf der Bühne mit liebevoller Achtung gegenseitig unterstützen.

Ein lebendiges Beispiel dafür ist, wie der Oberhaupt der Familie Wehring, Gábor Wehring, sechs Jahre später als sein Sohn Mátyás das Akkordeonspielen lernte, damit sie gemeinsam musizieren und die Melodien ihrer Vorfahren bewahren können. Oder was Anna Pappert aus Salkau motivierte, im Alter von sechs Jahren mit ihrem Vater auf die Bühne zu gehen. Obwohl sie heute auf hohem Niveau Akkordeon spielt, trat sie als kleines Mädchen mit ihrem Vater, neben ihrer Liebe zur Musik deswegen mit ihrem Vater zusammen auf, damit er nicht allein auf der Bühne stehen musste. Seither nimmt das Vater-Tochter-Duo gerne an mehreren Landesrat-Veranstaltungen teil.

Als erste Band des Treffens trat das Wehring-Duo aus Bohl auf. Ihr Ziel ist es, ihre ungarndeutsche Identität nicht nur durch die deutsche Sprache, sondern auch durch die Volksmusik zu leben und die Melodien ihrer Vorfahren im Familienkreis zu bewahren.

Ihnen folgte die Familie Hermann-Galambosi aus Seetsche, die fast schon zu den Stammgästen des Treffens gehört. Die aus den beiden Familien bestehende Kapelle entstand aus einer zwanzigjährigen Freundschaft, auf Initiative von József Hermann, oder wie ihn alle kennen, „Szepi”, und László Galambosi „Laci”. Die beiden Musiker gingen zuvor getrennte Wege, doch die neu gegründete Blaskapelle von Seetsche brachte sie zusammen, und daraus entstand eine jahrzehntelange Freundschaft, die bis heute andauert. Zum diesjährigen Treffen brachten sie Polkas und Walzer mit.

Als dritte Gruppe trat die Familie Bauernhuber aus Herend auf. József Bauernhuber und seine beiden Söhne Andor und Ákos setzten sich zum Ziel, die traditionellen Blas- und Volksmusikstücke der deutschen Minderheit zu pflegen und zu bearbeiten: Ihr Repertoire umfasst Polkas, Walzer, Märsche und Mazurkas sowie eigene Bearbeitungen von Volksliedern. Für das aktuelle Treffen brachten sie eine Sammlung von Volksliedern aus Herend mit. Andor notierte Volkslieder, mit denen sie das Repertoire der Familie erweiterten. Anschließend setzten sie ihr Programm mit einem Liederstrauß aus Ganna fort. Als besonderes Musikstück brachten sie einen Brauttanz mit, den sie von János Magasházi gelernt und in Markau notiert hatten, der damals auf der Knopfakkordeon spielte.

Anschließend konnten wir das Pappert-Duo hören. Der Vater, Gábor Pappert, erzählte, dass es ihm sehr wichtig sei, seiner Tochter zu zeigen, was ihn an der Musik reizt, und dass sie ihre Nationalität leben kann. Sie spielten wunderschön zusammen sowohl auf der Knopfharmonika als auf der Tastenakkordeon.

Vor der Veranstaltung versammelten sich Interessierte und Familien traditionsgemäß zu einer deutschen Messe in der katholischen Kirche von Waschludt, wo András Sándor Tóth, stellvertretender Bischofsvikar und Pfarrer von Herend, die Messe zelebrierte.

Das Treffen beehrten Tamás Schell, Bürgermeister von Waschludt, und die Notarin der Gemeinde, Dr. Renáta Ádám.

László Kreisz, Vorsitzender des Landesrats, bedankte sich bei den Familien mit einer Kristallglocke, dem Symbol der Veranstaltung, für das Erlebnis und dafür, dass sie ihre bekannten und weniger bekannten, einzigartigen Lieder mit uns teilten.
Mit Hilfe der Bilder in unserer Galerie können wir die Momente des Treffens noch einmal erleben!

Die Veranstaltung wurde mit Unterstützung des Bundesministeriums des Innern (BMI), der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, der ungarischen Regierung und der Waschludter Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung realisiert.

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